SCHULCHRONIK (1980 – 2010)

Die Gründung der ersten bundesdeutschen Hausschule durch Familie Stücher aus Siegen in Nordrhein-Westfalen ist eine dramatische Geschichte. Vater Stüchers Versuche, seine ältesten Kinder den allerschädlichsten Einflüssen der Schule zu entziehen durch Eingaben an Lehrer, Schulleitung oder Schulaufsicht und durch das Fernhalten der Kinder von bestimmten Unterrichtsstunden, konnten nur Teil-, wenn nicht sogar Scheinlösungen bieten. Wäre es nur um einen ganz bestimmten Lehrinhalt in einem einzigen Fach gegangen, hätten seine Maßnahmen durchaus Erfolg haben und Dauerwirkung zeigen müssen. Bekanntlich durchsäuert ein wenig Sauerteig jedoch den ganzen Teig, und Christen sollen sich nach Jesu Worten von dem Sauerteig falscher Lehren hüten, denn er birgt Bosheit und Schlechtigkeit.

Es geht nicht nur um die sog. Geschlechtserziehung im Biologieunterricht, um bedenkliche Haltungen von Lehrern zu elterlicher Autorität, um verwerfliche Texte und Abbildungen in Schulbüchern, sondern um bzw. gegen den Geist der Zersetzung, der Unmoral und der Auflehnung gegen christliche Wertvorstellungen und Ordnungen, der von der 68er Bewegung in die Schule hineingetragen wird. Selbst der Kultusminister warnt vor Indoktrination und semantischem Schwindel linker Ideologen, die nichts aufhält, die Schule zu reformieren; Schulbücher sind mit eltern- und familienfeindlichen Texten durchsetzt, Arbeitswelt und Staat werden negativ dargestellt.

Das waren Dinge, die man gewissermaßen mit den Händen greifen konnte. Immer mehr Eltern müssen mit ansehen, wie ihre Kinder aufsässiger und unkontrollierbarer werden, auch in gläubigen Familien. Selbst wenn das Elternhaus in jeder Beziehung intakt ist, findet der rebellische Geist Eingang. Gefährlich ist es, zwar zu spüren, dass irgendetwas nicht stimmt, die Gründe dafür aber nicht nennen zu können. Das ohnmächtige Ballen der Faust bringt keinerlei Änderung, und Hoffnung auf eine Wende zum Besseren ist mehr als trügerisch.

Diese Sätze sind aus dem Buch von Rolf-Heiko Buyny „Alles zum Wohle der Kinder – die dramatische Geschichte der ersten bundesdeutschen Hausschule“ (Philadelphia-Schule) entnommen. Der Autor hat als Hauptschullehrer die Familie Stücher viele Jahre begleitet.
Wie hat die Philadelphia-Schule begonnen?

04.08.1980
Schulgründung der Familie Stücher mit 2 Kindern, Klasse 5 (die vier ältesten Kinder haben noch die öffentliche Schule durchlaufen). 6 Jahre vorher Kampf gegen Sexualaufklärung, Probleme demokratischer Unterricht, Chaos in der Klasse.

Mit Schulbeginn nach den großen Ferien zweiseitigen Brief an Richerfeldschule Eiserfeld (Hauptschule), Begründung der Herausnahme: fächerübergreifende Sexualaufklärung, gottlose pseudowissenschaftliche Evolutionstheorie, antiautoritäre (antichristliche) Erziehung. Für die Eltern Stücher ist es ein Glaubensschritt, begründet mit dem biblischen Erziehungsauftrag in 5.Mose 11,19 und Eph.6,1. In der vorhergehenden geistlichen Zubereitung durch gründliche Beschäftigung mit den prophetischen Büchern Daniel und Offenbarung „gab Gott mir Licht über die herrschenden Mächte der Finsternis, insbesondere über die Tiere im Buche Daniel und der Offenbarung“, erklärt Vater Stücher. Er deutet, „die Charaktere der vier Tiere in Daniel 7 sind die Elemente und Bestandteile des ersten Tieres in Offb.13: Der atheistische Humanismus, der widernatürliche Hedonismus, der gottlose Pluralismus und der seelentötende Materialismus. Diese -ismen werden seit Anfang der Siebziger Jahre in der Schule gelehrt und eingeübt. Die Konsequenz aus dieser Erkenntnis ist: ‚Gehet aus ihrer Mitte aus und sondert euch ab, spricht der Herr, und rühret Unreines nicht an, und ich werde euch aufnehmen’ (2.Kor.6,14-18; Offb.18,4). „Wir kämpften mit dem Tierungeheuer, indem wir uns seinem Anspruch entzogen, und Gott hat uns errettet aus dem Rachen des Löwen“, ist Stücher sich ganz sicher.

Wochen später erfahren die Eltern Stücher von anderen Schulgründungen von freien Bekenntnisschulen aus den gleichen Gründen ("Schule auf biblischer Basis" - AEBS). Sie werden von Freunden auf christliche Literatur über die Veränderung der Schule und Schulbücher durch die neomarxistische Bewegung ("Frankfurter Schule") aufmerksam gemacht (Alarm um die Schule – I.Lück, Schülermanipulation – Schoeck, u.a.). Für Vater Stücher sind diese Informationen eine Bestätigung seiner biblisch-prophetischen Sicht, die ihn zu diesem ungewöhnlichen Handeln veranlasste.

Schulbetrieb: Schule im Büro am runden Tisch, Vater und erwachsene Tochter sind die „Lehrer“. Außer den Schulbüchern sind noch keine Lehrmittel (Lehrerbücher, Tafel) vorhanden. Es werden alle Fächer unterrichtet, auch Englisch, Sport, Musik. Stundenplan und Ferien wie öffentliche Schule, es werden Arbeiten geschrieben und Hausaufgaben gemacht. Die Schüler erhalten auch Zeugnisse.

Der Unterricht beginnt pünktlich um 8 Uhr; die Pausen werden genau eingehalten; das Unterrichtsende entspricht dem an öffentlichen Schulen. Der Stundenplan, der vom ersten Tag an vorhanden ist, wird befolgt und ist nicht etwa bloßes Aushängeschild für eventuelle Besucher. Nach und nach werden weitere Unterrichtsmaterialien angeschafft. Die fehlenden Lehrerhandbücher können eingesetzt werden, als nach etwa vier Wochen Unterrichtsbetrieb ein Lehrer an einer staatlichen Hauptschule mit der Familie bekannt wird, der die Bücher besorgt. Zugleich berät er über Jahre in pädagogischen und fachbezogenen Fragen.

Klassenarbeiten werden geschrieben. Die Erledigung der Hausaufgaben ist eine Selbstverständlichkeit und erfolgt keineswegs im Rahmen des Unterrichts, sondern nach Schulschluss selbständig durch die Kinder.

Eine Schulordnung wird erstellt und beachtet. Der Schultag beginnt stets mit einer bibelgemäßen Andacht. Was in dieser Frühphase eingeführt bzw. eingerichtet wird, bleibt über die Jahre bestehen. Ferien gibt es nach der landesüblichen Regelung. Zu Neujahr findet eine Schulfeier statt, im Sommer ein Schulfest, und über das Jahr verteilt stehen Ausflüge, Wanderungen, Museumsbesuche an. Sogar eine kleine Schülerzeitung wird ins Leben gerufen.

September 1980
Vier Wochen später beginnt der Kampf mit den Behörden: Bußgeldbescheid durch das Schulamt: 500,- DM. Dagegen wird Einspruch eingelegt.

Mai 1981
Jugendamt schaltet sich ein, stundenlange harte Verhandlungen.

Juni 1981
Gerichtsverhandlung, Richter erklärt: „Ich habe mir die Schulbücher einmal angesehen, da haben sich mir die Haare gesträubt“. Das Bußgeld wird um die Hälfte reduziert. Dieses wird nicht bezahlt, Vater Stücher geht dafür fünf Tage ins Gefängnis. Die Familie ist bestürzt.

August 1981

Ihre beiden Grundschulkinder werden aus der Gildbergschule herausgenommen.

26.08.1981
Jugendamt beantragt Sorgerechtsentzug

September 1982
Das fünfte Schulkind wird zu Hause beschult (Es war noch formell in der Grundschule angemeldet worden)

Februar 1983
Eine zweite „Lehrerin“ kommt hinzu (eine Nichte, die ihren Krankenschwesternberuf aufgibt).

05.09.1983

Ein böser Tag: Gerichtssitzung, Sorgerechtsentzug, Pfleger wird eingesetzt. Die Familie sieht sich in einer Situation wie im Buche Esther, Kap.4. Die Kinder sollen in einer Nacht- und Nebelaktion weggeholt werden. Fluchtgedanken, Kinderpässe werden besorgt. Doch Gott lässt ihnen durch jemand das Wort sagen: „Der Herr wird für euch streiten, und ihr werdet stille sein“ (2.Mo.14,13-14). Das erfahren sie nun buchstäblich.

Oktober 1983
dpa-Meldung an alle Zeitungen in der BRD, Journalisten kommen, Fernsehen will Film drehen, Illustrierte wollen berichten. Stücher lehnt ab, man will der Welt kein Schauspiel bieten. Durch die Zeitungsberichte kommen sie in Kontakt mit Christen, die Freunde und Nachahmer werden. Viele positive Zuschriften, die Schulnot scheint im ganzen Lande groß zu sein. War Stüchers neuer Schulweg so außergewöhnlich? Sie erfahren, dass in fast allen Ländern rund um die Bundesrepublik der häusliche Unterricht erlaubt ist. Es wird ihnen bekannt, dass in USA und Kanada Hunderttausende Homeschooling machen.

Dezember 1983
Pfleger macht letztes Vermittlungsangebot: Jugendamt bietet Lehrer an, will ihn auch bezahlen. Stücher lehnt ab, er will sich die Lehrer selber aussuchen. Ungläubige Stimmen sagen ihnen, wenn nicht ein Wunder geschieht, sind die Kinder weg. Und dieses Wunder geschieht.

19.12.1983

Ein denkwürdiger Tag. Es ist Montagfrüh, jeden Augenblick kann der Polizeiüberfall erfolgen. Die Familie ist eine Stunde früher aufgestanden und verharrt im Gebet und Gotteslob. Denn am Vorabend haben sie das Wort aus 2.Chron.20 bekommen: „Fürchtet euch nicht und erschrecket nicht vor dieser großen Menge; denn nicht euer ist der Streit, sondern Gottes!“ Tatsächlich greift Gott ein, sie machen buchstäblich die gleiche Erfahrung wie Josaphat. Der Pfleger erscheint am 3. Tag und entschuldigt sich so halb reumütig, er hätte nicht handeln können, da ihm am Sonntagabend starke Bedenken gekommen seien. Am Dienstag habe er alle an der Aktion Beteiligten noch einmal zusammengerufen (Gericht, Schulamt, Jugendamt, Polizei). In dieser Sitzung wären alle gegeneinander gewesen, einer habe dem anderen Vorwürfe gemacht, dass man eine intakte Familie nicht auseinanderreißen dürfe. Da habe er gesagt, solange ihr euch nicht einig seid, handle ich nicht. Das war die Rettung. Hallelujah! Später erfahren sie, dass der Überfall bis ins einzelne geplant war, Haus sollte umstellt werden, wurden vorher schon ständig beobachtet, Hintertüren, Fluchtwege. „Wir waren ahnungslos, Engel müssen unser Haus umstanden haben“, bezeugt die Hausmutter.

24.12.1983

Die kleine Hausschule ist ein echtes Weihnachtskind, sie erhält den Namen „Philadelphia-Schule“. Satan wollte wie Herodes das „Schulkind“ töten, aber der HERR Gott, der Allmächtige, hat „eine geöffnete (Schul-)Tür gegeben, die niemand zu schließen vermag“ (Offb.3,8, Sach.2,8). „Philadelphia“ heißt Bruderliebe, Stücher sieht in der Schule ein Werk, das die Kinder Gottes wieder verbinden könnte.

15.01.1984

Die Hausschule bekommt auf Umwegen ausrangierte Schulbänke aus einer Schule, es ist jetzt wie in einer kleinen Dorfschule. Ältester Sohn macht den Physikunterricht, Tante im Haus bewährt sich als Handarbeits- und Kunstlehrerin. Kinder haben große Freude. Doch die Gefahr ist noch nicht vorüber.
Am nächsten Tag erscheint Pfleger mit Freund: Erneute Ankündigung der Kinderentführung. Durch den Vorschlag von Stücher, ein Gutachten von den Hausschülern zu erstellen, kommt eine plötzliche Wende. Pfleger (wider Willen) und Freund (Journalist) schreiben an Gericht und bestreiten gesetzliche Grundlage für Sorgerechtsentzug; sie erweisen sich hinfort als Beschützer der Familie und ermutigen zum Weitermachen. „Als wir den Brief gelesen haben, sind wir fast vom Stuhl gefallen“, erzählt Richterin der Presse.

Februar 1984
Gutachten eines Fachlehrers: „Der Unterricht, obwohl von Laien gegeben, war gut vorbereitet, wobei von den Lernzielen teilweise zu anspruchsvoll vorgegangen wurde. Die Abschätzung was pädagogisch sinnvoll und was machbar ist, fällt den Unterrichtenden mitunter schwer, so dass sie sich selbst unter Erfolgszwang setzen. Ein weiterer Grund für teilweise zu hoch angesetzte Lernziele liegt in der durch die jeweiligen Lehrbücher vorgegebenen Lerneinheit mit ihrem von pädagogischen Laien kaum abzuschätzenden Stoff- und Informationsspektrum, das ihnen als Norm gilt, ohne allerdings in vielen Fällen der Unterrichtspraxis das auch tatsächlich zu sein. Hier tut sich ein wesentliches Kriterium unserer vielfach überfrachteten Lehrbücher auf, die oft genug am Kinde vorbei wirken.“

Trotz hoher Anforderungen ist die Arbeitshaltung der Kinder gut und von Kontinuität geprägt. Die in Grund- und Hauptschulen weitverbreitete Haltung des Desinteresses und der offenen Ablehnung gegenüber Stoff und Lehrperson konnte keinen Augenblick beobachtet werden. Auch die Kinder, die von ihrem Begabungspotential her gewisse Schwierigkeiten mit Mathematik oder Deutsch (bzw. deren Teilbereichen) haben, bemühten sich vorbildlich um Lernzuwachs.

Die Unterrichtsatmosphäre war gelöst, aber keineswegs locker, wobei die Anwesenheit eines „richtigen“ Lehrers selbstredend zu einer gewissen Haltungsunsicherheit führte. Befragungen der Kinder ergaben einen erfreulichen Wissensstand, der „über dem vergleichbarer Hauptschulklassen liegt“.

05.03.1984
Ladung vor Landgericht Siegen; Eltern, Schüler, Lehrpersonen werden angehört. Der geladene Schulrat erscheint merkwürdigerweise nicht, Richter „kommt sich blöd vor“, die Kinder zu prüfen. Der Pfleger erklärt: „Als ich nach längerer Prüfung das Amt des Pflegers übernahm, hatte ich erst andere Vorstellungen von dem, was in dem vorliegenden Fall zu tun sei als ich sie heute habe. Ich glaubte auch, es mit einer zwangsweisen Zuführung der Kinder zur Schule versuchen zu müssen. Ich habe dann aber mehrfach Kontakt mit der Familie der Eltern Stücher gehabt, bin auch wiederholt in deren Haus gewesen. Mir haben sich die Kinder in ihrem Verhalten als ganz normale unbeschwerte und fröhliche Kinder dargestellt. Ich habe darüber hinaus verschiedentlich an dem Schulunterricht teilgenommen und bin nach meiner Einschätzung der Auffassung, dass dieser Schulunterricht weitgehend dem entspricht, was auch in der staatlichen Schule gelehrt wird“. Das Gericht ist ratlos.

06.06.1984
Beschluss des Landgerichts: Sorgerecht zurück, Pfleger bleibt, Anordnung der „Fremdenprüfung“. Kultusminister ist fassungslos. Kosten des Verfahrens: DM 48,50. Viele Leute freuen sich, die Presse berichtet bundesweit vom „Sieg des Schulverweigerers“.

August 1984

Das sechste Schulkind der Familie wird hausbeschult.

September 1984
Antrag des Pflegers beim Kultusminister auf Anerkennung der Hausschule Stücher. KuMi lehnt ab, gestattet aber Weiterführung der Schule, wenn der Unterricht „Mindestanforderungen“ entspricht. Schulamt konnte vom Schulbesuch aus „wichtigem Grund“ befreien (§ 6 Abs.4 SchpflG NRW).
Die ersten Fremdschüler von Verwandten besuchen die Philadelphia-Schule, sie bringen ihre ältere Schwester gleich als „Lehrerin“ mit, die sich als hervorragende Pädagogin erweist (ohne Ausbildung). Gott gegebene Naturbegabung ist besser als anstudierte. Ein Neffe, Dipl.Ing., übernimmt Chemie- und Physikunterricht. Alle Lehrkräfte arbeiten für ein Taschengeld.

Juni 1985
Stücher bekommt in diesem Jahr zahlreiche Anfragen von besorgten Eltern. Erste Schulkonferenz, Schreiben an den Bundespräsidenten mit der Bitte um Schulbefreiung aus Glaubens- und Gewissensgründen. Er ist nicht zuständig, gibt Brief an die „Ständige Konferenz der Kultusminister“ weiter. Spätere Petitionen an Landtag und Bundestag werden negativ beschieden. Bundeskanzler schreibt: „Sehr wichtig für Sie und alle Familien, die aufgrund ihrer religiösen und weltanschaulichen Einstellungen bestimmte Schwerpunkte in der schulischen Bildung und Erziehung gesichert sehen möchten, ist das von unserem Grundgesetz garantierte Recht zur Errichtung von privaten Schulen. Sie haben diese rechtliche Möglichkeit genutzt; denn Sie schreiben, dass Sie Ihre Kinder aus der staatlichen Schule genommen haben“.

Das Schuljahr 84/85 endet mit der Schulentlassung der ersten beiden Schüler. Bei den Bewerbungen um eine Lehrstelle machen sie die Erfahrung, dass das Zeugnis einer christlichen Schule mehr Eindruck macht als staatliche Scheine. Gegen alle Befürchtungen Andersgläubiger, die Kinder würden, wenn sie ins Berufsleben kommen, nicht bestehen können, erweisen sich die beiden Schulabgänger als außerordentlich tüchtig und standfest, sie gehören mit zu den besten Schülern und können anderen bei ihren Problemen helfen.

August 1985
Zwei weitere Fremdschüler kommen hinzu. Es werden die ersten Fernschüler in Süddeutschland betreut.

Januar 1986
Die Schule macht Schule. In Lage/Lippe entsteht von russlanddeutschen Familien eine Zweigschule der Philadelphia-Schule mit 7 Grundschulkindern. Diese sog. Orts- oder Gemeindeschule wächst im selben Jahr auf 20 Kinder. Zwei Jahre später wird die Schule in Lage aufgelöst, auf deren Anstoß entsteht eine anerkannte Bekenntnisschule, heute die größte in der Bundesrepublik.

Ein ausgebildeter Grund- und Hauptschullehrer wird von der Philadelphia-Schule (PhS) in Siegen angestellt. Durch weitere Anmeldungen aus dem ganzen Bundesgebiet weitet sich die Schule zum Heimschulwerk bzw. zur Fernschule aus.

November 1986
Ein Journalist der Zeitung „Die Welt“ will die Schule kennenlernen. Nach anhaltendem Bitten wird ihm gestattet, dem Unterricht beizuwohnen und die Schüler zu interviewen. Er berichtet am 18.11.1986 ausführlich und sachlich über die Philadelphia-Schule.

Juni 1987
Schulamt wird vom Gericht (mit vorherigen Einwilligung) beauftragt, Kinder zu prüfen.
Im August wird das siebte Schulkind der Familie Stücher und ein weiteres Fremdkind eingeschult.
November 1987: Fünf Lehrer prüfen eine Woche lang die Schüler in den Hauptfächern, Gutachten Schulamt: Kinder sind gut gefördert worden.

Die Philadelphia-Schule in Siegen hat im Jahre 1987 zehn Schüler, darunter auch ein Sonderschulkind, das sich hier sichtlich erholt. Es stehen drei Schulräume zur Verfügung, eine kleine Werkstatt, auch ein Schulgarten wird angelegt. Durch Bekanntwerden der Philadelphia-Schule werden in den folgenden Jahren weitere Heimschüler angemeldet (insges. 12 Schüler aus 10 Familien). Lehrer der PhS helfen beim Start, besorgen die Bücher, benoten die Arbeiten. Die Heimschüler kommen zum Blockunterricht nach Siegen und zur Jahresprüfung.

1989
Ein bewegtes Jahr. Ein zweiter Lehrer, Mathematik- und Physiklehrer Gymnasium, will für ein Jahr kostenlos in der Philadelphia-Schule unterrichten. Das schafft der Schule Auftrieb. Ein Schulträgerverein e.V. wird gegründet, um die Schule auf eine breitere Grundlage zu stellen. Gemeinnützigkeit wird vom Finanzamt anerkannt. Die PhS ergreift im Siegerland die Initiative zur Anerkennung als „freie christliche Schule für Primar - und Sekundarstufe I“; der Antrag auf Genehmigung einer Ersatzschule wird jedoch aus pädagogischen Gründen vom Kultusministerium abgelehnt. Im Herbst desselben Jahres wird die PhS als Ergänzungsschule angezeigt, vier Schuldirektoren von der Regierung Arnsberg und Schulamt Siegen prüfen die Lehrpersonen. Der Antrag wird nicht weiter bearbeitet, da Eltern die Unterschrift im Falle der Ablehnung die Kinder wieder in die öffentlichen Schule zu schicken, nicht geben. Stücher besinnt sich auf das frühere Schulkonzept einer freien, vom Staat völlig unabhängigen Schule. Die Philadelphia-Schule ist nun die freieste Schule in der Bundesrepublik.

27.12.1989
Endlich wird die Pflegschaft aufgehoben. Die Eltern Stücher erhalten nun auch das Recht der Schulausbildung zurück, da „eine Gefahr für das Wohl der Kinder nicht mehr besteht“. Die Gefahr bestand lediglich seitens der Behörden.

1990

Der Regierungspräsident erteilt Zulassung zur Schulabschlussprüfung.

Juni 1995

15 Jahre Bestehen der Philadelphia-Schule. Im Heimschulwerk der PhS waren in den Jahren 85 bis 95 ca. 20 Familien mit 30 Kindern aus verschiedenen Bundesländern angemeldet, von denen allerdings ein Teil wieder aufgegeben hat, als sie Schwierigkeiten mit den Behörden bekamen.

Schulgründer Stücher führt auf der diesjährigen Heimschulkonferenz über die Anfangszeit der Heimschule aus: „Ohne die Hilfe des HERRn wäre dieses Wagnis nicht gelungen. Gott allein gebührt die Ehre und der Dank. Was konnten wir schon ausrichten gegen den gewaltigen Staatsapparat. Wir haben erfahren, dass der alte Gott, der Gott unserer Väter, der Allmächtige, noch lebt. Andere christliche Schuleltern haben ähnliche wunderbare Erfahrungen gemacht und ihre Gebete und die Gebete der hinter ihnen stehenden Gemeinden erhört. Die Behörden sind in große Verlegenheit gebracht worden. Alle Widersacher wurden beschämt, weil Gott uns geholfen hat, wie sie selbst zugeben mussten. Sie müssen einsehen, dass für ein Vorgehen gegen christliche Familien, die Überzeugungstäter sind, jede gesetzliche Grundlage fehlt. Der Präzedenzfall, den sie so sehr fürchteten, war geschaffen, und fand Nachahmer, wie wir heute sehen. Der Pfleger und seine Helfer wollten unsere Familie zerstören, sie bekannten sich auch als Christen, waren mir aber persönlich nicht wohlgesonnen, weil sie mein Wahrheitszeugnis hassten. Nun glaubten sie, mich in die Knie zwingen zu können. Der HERR rechne es ihnen nicht zu. Gott hat uns aus ihrer Hand errettet, weil wir auf Ihn vertraut haben. Wir durften wie geängstigte Kücklein bei der Henne unter den Flügeln des Allmächtigen Schutz finden. Damals schrieben wir in großen Lettern den 11. Vers aus Ps.115 an unseren Hauseingang: ‚Ihr, die ihr den Herrn fürchtet, vertrauet auf ihn! Ihre Hilfe und ihr Schild ist er’. Wenn wir für Gott sind und für Seine Wahrheit kämpfen, ist Er auch für uns und rettet uns von unseren Feinden, die stärker waren als wir. Nach all diesen wunderbaren Erfahrungen, die wir als Zeugnis von der mächtigen Güte und Hilfe Gottes weitergeben möchten, dürfen wir mit dem nächsten Vers im Ps.115 sagen und die Hoffnung haben:

„Er hat unser gedacht, er wird segnen“ (V.12).

1997
Der letzte der Stüchers Kinder verlässt nach zehnjähriger Schulzeit die Hausschule und wechselt auf das Fachgymnasium. Hier krönt er sozusagen das Schulwerk des Vaters mit dem besten Zeugnis der Klasse. Er wird zum Klassensprecher gewählt, später auch zum Schulsprecher, und besteht das Abitur mit Auszeichnung.

Mit dem Abgang des letzten Schülers ist jedoch die Philadelphia-Schule nicht aus, sie gewinnt gerade jetzt bundesweite Bedeutung. Unter dem Wohlwollen des Schulamtsdirektors bleibt die Schultüre weiterhin offen für den Unterricht von Heimschülern. Die Bezirksregierung vermutet ein Internat, ist aber beruhigt, da es sich nur um tages- und wochenweise Besuche im Hause Stücher handelt.

Zahlreiche Eltern bitten um Hilfe in ihrer Schulnot. Seit 1998 steigen die Anmeldungen rapide an.

2000
Grundschullehrerinnen und Haupt- und Realschullehrer bieten sich für die Schülerbetreuung an, teils ehrenamtlich. Die ersten Elternseminare beginnen, es finden Bildungs- und Projektwochen für die Schüler statt.

2002

Fachlehrer erstellen ein vollständiges Lernprogramm für alle Klassen und Fächer.

2004
15. Schulkonferenz in Siegen in der Bismarckhalle.
In Anlehnung an die Barmer Erklärung vor 70 Jahren, heute bezogen auf die staatliche Bildungs- und Erziehungsdiktatur, wurde auf dieser Schulkonferenz folgende Erklärung verfasst und von den Teilnehmern unterschrieben:

Erklärung
zum Schutze christlicher Kinder und Familien

Auf der 15. Schulkonferenz der PHILADELPHIA-SCHULE - freies christliches Heimschulwerk e.V. –
in Siegen erklärten gläubige Eltern und Erzieher folgende Grundsätze christlicher Erziehung und Bildung:

1. Jesus Christus spricht: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater als nur durch mich“ (Joh.14,6).

Jesus Christus, wie er uns in der Heiligen Schrift bezeugt wird, ist das eine Wort Gottes, das wir zu hören, dem wir im Leben zu vertrauen und zu gehorchen haben. Die Heilige Schrift ist uns durch Gottes Geist alleinige Quelle und vollkommene Richtschnur des Glaubens, der Lehre und des Lebens, auch in Fragen der Erziehung und Bildung unserer Kinder.

Wir verwerfen die antichristliche Meinung, als seien die Grundsätze, Ordnungen und Gebote Gottes dem Wandel der Gesellschaft oder den jeweils herrschenden weltanschaulichen und politischen Zeitströmungen unterworfen.

2. „Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir, und ich gebe ihnen ewiges Leben, und sie gehen nicht verloren ewiglich, und niemand wird sie aus meiner Hand rauben“ (Joh.10,27+28).

„Er ist uns geworden zur Weisheit von Gott und Gerechtigkeit und Heiligkeit und Erlösung“ (1.Kor.1,30).
„Ihr dienet dem Herrn Christus“ (Kol.3,24).

Weil Jesus Christus uns mit Seinem teuren Blut von den finsteren Mächten dieser Welt für Gott erkauft hat, ist Er auch Gottes Anspruch an unser ganzes Leben und an das Leben der uns von Gott anvertrauten Kinder, die wir unter den Schutz Seines Blutes gestellt haben.

Wir verwerfen die antichristliche Meinung, als gebe es Bereiche unseres Lebens, in denen wir als Eltern oder unsere Kinder nicht Jesus Christus, sondern noch auf andere Stimmen, Erkenntnisse und Ansprüche zu hören hätten.

3. „Glaube an den Herrn Jesus und du wirst errettet werden, du und dein Haus“(Ap.16,31).
„Was nun Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden“ (Matth.19,6)

Die Ehe ist von Gott geheiligt, die aus ihr hervorgehende Familie ist von Ihm als Einheit geschaffen. Zuerst dort soll auch nach dem Willen Gottes die Einheit des Glaubens verwirklicht werden: „Du und dein Haus“ (1.Mo.7,1). Von Anfang der Schöpfung steht die Familie des Gläubigen unter der besonderen Verheißung des HERRn. Deshalb bekennen wir uns zur biblischen Einheit und Ordnung der Familie und haben uns vor Gott verpflichtet, diese in der Verantwortung vor Ihm und vor unseren Kindern zu bewahren und zu fördern und alle familienzerstörenden Einflüsse abzuwehren. Diesem Zweck dient auch die christliche Schule.

Wir verwerfen alle Strömungen, die letztlich die Auflösung der Familie und des natürlichen Familienbegriffs zum Ziele haben. Hierzu zählen in erster Linie die Zerstörung der Elternautorität durch emanzipatorische Erziehungsideologien, die Verwischung der Unterschiede zwischen den Geschlechtern und Generationen, alternative Zusammenlebensformen (Homosexualität) und die pornographische schulische Sexualerziehung.

4. „Jede Seele unterwerfe sich den obrigkeitlichen Gewalten“ (Röm.13,1).
Gottes Wort ermahnt uns, der Obrigkeit unterwürfig zu sein, ihre Anordnungen zu befolgen und für sie zu beten. Bibelgläubige Christen sind die „Stillen im Lande“, sie wissen, dass alle Obrigkeit von Gott ist, deren Auftrag es ist, für Recht und Frieden im Lande zu sorgen. Sie sind dankbar, dass Ehe und Familie unter dem besonderen Schutz der staatlichen Ordnung stehen. Unangetastet bleiben das ihnen von Gott gegebene Recht und die Pflicht der Pflege und Erziehung ihrer Kinder. Aus der Verantwortlichkeit, über ihre Seelen zu wachen und für ihr Wohl zu sorgen, kann sie keine staatliche Gemeinschaft entlassen.

Wir verwerfen die falsche Meinung, als solle und dürfe der Staat über seinen besonderen, ihm von Gott gegebenen Auftrag hinaus über die Erziehung und Bildung der Kinder christlicher Eltern bestimmen.

5. „Man muß Gott mehr gehorchen als Menschen“ (Ap.5,29)
„Darum gehet aus ihrer Mitte aus und sondert euch ab, spricht der Herr, und rühret Unreines nicht an, und ich werde euch aufnehmen“(2.Kor.6,17)

Die christliche Familie ist Teil der christlichen Gemeinde, zu der auch die christliche Schule von jeher gehörte. Das Recht der Glaubens- und Gewissensfreiheit wird von bibelgläubigen Eltern nach dem Gebot Gottes, das über staatlichem Gesetz steht, auch für den Bereich Erziehung und Bildung ihrer Kinder in Anspruch genommen, um ihnen einen Schutz- und Wachstumsraum in einer zunehmend antichristlichen, unmoralischen und sittenlosen Gesellschaft durch Gründung christlicher Schulen auf biblischer Grundlage zu bieten. Dabei wird die Aufsicht des Staates über das Schulwesen anerkannt.
Wir verwerfen die falsche Meinung, als solle und könne der Staat christliche Eltern und christliche Schulen auf die staatlichen Bildungs- und Erziehungsziele verpflichten, insoweit sie von den biblischen Zielen abweichen.

6. „Ich habe euch, Jünglinge, geschrieben, weil ihr stark seid und das Wort Gottes in euch bleibt und ihr den Bösen überwunden habt“ (1. Joh.2,14-16).

Die christliche Jugend ist die Zukunft der christlichen Gemeinde und Familie. Eine immer größere Flut von Verführungen strömt auf sie ein und macht ihr den Kampf schwer, aber sie hat in der entschiedenen Nachfolge Jesu die Verheißung, die vergängliche Welt mit ihrer Lust und ihrem eitlen Hochmut zu überwinden und ein Leben in Reinheit und Tugend in der wahren Freiheit, zu der Christus freimacht, zu führen. Es ist Aufgabe christlicher Eltern, sie von frühester Jugend an über Gott und Seine Welt aufzuklären und sie den Weg zum Leben zu lehren. Die christliche Schule soll ihnen dabei helfen.
Wir verwerfen die falsche Meinung, als könne und müsse die christliche Jugend in ihrem Äußeren, ihrem Gebahren und ihrem Denken und Streben sich der Welt und dem modernen Zeitgeist anpassen, um frei und froh zu sein und ihren Weg zu finden.

7. „I h r seid das Salz der Erde..., I h r seid das Licht der Welt“ (Matth.5,13-16).
Die christliche Familie ist durch ihr Zeugnis in der sie umgebenden ungläubigen Welt, die im Argen liegt, und als übriggebliebener Kern einer orientierungslos gewordenen pluralistischen Gesellschaft, die weithin von den biblischen Wertmaßstäben und guten Sitten abgewichen ist, ein Zeichen der Liebe, des Friedens, der Einheit und der Geborgenheit. Dieses Orientierungszeichen kann die christliche Familie nur sein, wenn sie ihr Leben nach dem Willen Gottes ausrichtet.

Wir verwerfen die falsche Meinung, als könnten und dürften christliche Eltern und Erzieher ihr Erziehungswerk in menschlicher Selbstherrlichkeit nach ihrem Gutdünken zu selbstgewählten Wünschen, Zwecken, und Plänen betreiben. Wir sind an die Bibel als Gottes Wort gebunden und Gott Rechenschaft schuldig.

Siegen, den 31.Mai 2004

gez. Unterschriften

2005
Nach 25jährigem Bestehen der Philadelphia-Schule ist die Zahl der betreuten Heimschüler auf über 300 angewachsen. Hinzu kommen immer mehr Missionarsfamilien im Ausland. Man schätzt die Zahl der Homeschooler in Deutschland auf 1000 und mehr, die meisten halten sich bedeckt.

2007
Viele Heimschulfamilien verlassen Deutschland, weil sie von den Behörden verfolgt werden. Sie werden weiter von der Philadelphia-Schule betreut. Eine „Europäische Vereinigung zur Unterstützung verfolgter deutscher Familien“ wird gegründet: www.ffh-europ-verein.eu

2010
21. Schulkonferenz - 30 Jahre Philadelphia-Schule

Auszug aus der Rede des Schulgründers und Leiters Helmut Stücher:

„Mutter ist die beste Lehrerin“ hat schon der Pädagoge Berthold Otto (1859–1933) festgestellt. Er war der erste deutsche Vertreter des Heimschulgedankens. In seiner Zeitschrift „Der Hauslehrer“ antwortet er auf einen Leserbrief: „Ich kann Ihnen auf Ihre Frage, ob Sie Ihre Kinder selber unterrichten können, auch während der ersten Schulzeit, nur antworten: Niemand kann es so gut wie Sie als Mutter“. Zitiert aus „Home Education in Deutschland – Hintergründe – Praxis - Entwicklung“ von Thomas Spiegler (VS-Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2008).

Ich könnte von vielen Heimschülern berichten, die zu Hause aufblühten und besser lernten als in der Schule. Einige seien namentlich erwähnt: Ich denke an den „schlimmen Hermann“. Seine Mutter, eine Witwe, machte sich große Sorge um ihn, weil er so wild war und in der Schule nur Unsinn machte. Er mochte gar nicht in die Schule, die Mutter musste ihn immer begleiten. Schließlich verfügte das Schulamt eine sonderpädagogische Förderung, d.h. eine Sonderschule besuchen. Dort landen gewöhnlich schwache Schüler oder die, die so eingestuft werden. Hermann war aber eigentlich hochbegabt. Eine freie christliche Schule wollte Hermann nicht aufnehmen, weil man Probleme mit ihm befürchtete. So wandte sich die Mutter an uns. Wir konnten die sog. sonderpädagogische Förderung abwehren, weil die Hausschule die beste Förderung in solchen Fällen ist, auch für Hermann.

Sehr erfolgreich war Cindy. Sie war ein schulgeschädigtes Kind, mit 10 nahm ihre Mutter sie aus der Schule. Nach 6 Jahren Heimschule mit der PhS legte sie die externe Realschulabschlussprüfung mit 1,3 ab. Danach ging sie drei Monate aufs Gymnasium, fand aber bald, dass sie dort nichts lernte bei dem Lärm in der Klasse. Sie setzte das Lernen zu Hause auf der gymnasialen Oberstufe mit ILS fort und schloss das Abitur mit der Durchschnittsnote 1,7 ab.

Anika wechselte noch im 8. Schuljahr auf die Realschule und erlebte dort Bewunderung als Heimschülerin. Ich könnte noch von manchem Heimschüler mit überdurchschnittlichen Leistungen berichten. Da ist Lisa: sie wechselte im 6. Heimschuljahr aufs Gymnasium, gewann den ersten Preis beim Lesewettbewerb und den 2. Platz bei der Matheolympiade.

Nicht alle Heimschüler glänzen so, müssen es auch nicht. Aber man kann sagen, dass sie sämtlich zu den guten Schülern zählten, wenn sie auf die öffentliche Schule wechselten oder die externe Nichtschülerprüfung zur Erlangung des Hauptschul- und Realschulabschlusses ablegten. Manche gingen noch nach der 9.Klasse auf die Realschule, um einen Abschluss zu bekommen, und schnitten gut ab. Wo Lernrückstände waren, holten sie schnell auf, weil sie gelernt haben, wie man lernt.

Paul Herzog von Oldenburg, der die Heimschule verteidigt, schrieb unlängst im Mitteilungsblatt der „Aktion Kinder in Gefahr“: „Da die Leistungen freilernender Kinder denen von Schulkindern deutlich überlegen sind, hat man sich darauf verlegt, mit der Sozialisation zu argumentieren“. Doch gerade das soziale Verhalten von Heimschülern ist deutlich besser, als bei den meisten Jugendlichen.

Zu der Frage, welche Berufe Heimschüler erlernen können: Praktisch alle oder wenn sie studieren wollen; der eine studiert Lehramt, ein anderer Arzt usw. Wer entsprechend begabt ist, gerne und mit Fleiß lernt, hat alle Möglichkeiten.

Heimschule ist nicht die einzige Schulalternative, die wir unterstützen. Auf der gleichen Basis ist auch eine Gemeindeschule möglich. Ideal ist die Kooperation von beiden. Durch unsere Informationsvorträge in Gemeinden haben wir Schulinitiativen angestoßen bzw. Schulgründungen bewirkt. Die Gründung von Gemeindeschulen und deren Unterstützung mit unserem Material ist auch eines unserer Satzungsziele.
Schade, dass der Betrieb einer Gemeindeschule oft an den fehlenden Lehrern scheitert. Es muss erlaubt sein, dass man auch mit einem Fernschulprogramm unterrichten darf. Dazu braucht es vielleicht nur einen Lehrer. Die übrigen können Laien sein, Mütter, junge Leute, die sich beruflich freistellen lassen, oder Rentner, die die Aufsicht führen. Diese Form des Unterrichts mit Lernprogrammen ist in Amerika in den Gemeindeschulen üblich. In Süddeutschland musste eine Gemeindeschule schließen, weil sie keine Lehrer kriegen konnte. Über 10 Jahre hatte der Schulrat den Unterricht gedeckt, die Tests in einer öffentlichen Schule waren erstaunlich gut. Aber im vorigen Jahr machte das Kultusministerium Druck, der Betrieb musste eingestellt werden. Ein Teil der Eltern wich nach Österreich aus.

„Wir müssen dafür kämpfen, dass Schulpflicht auch auf diese Weise erfüllt wird. Die Aufsicht des Staates haben wir nie in Frage gestellt, aber wir müssen frei wählen dürfen, ob wir zu Hause oder in der Gemeinde unsere Kinder unterrichten, wie das in anderen EU-Ländern auch erlaubt ist. Wir durften in all den Jahren über 500 Schüler begleiten.“

Stücher schloss mit einem Aufruf:

„In einer wirklichen Demokratie und einem freiheitlichen Rechtsstaat darf man seine Stimme erheben, wenn persönliche Rechte wie die Glaubens- und Gewissensfreiheit und das Elternrecht unterdrückt werden. Da müssen wir auch für unsere Brüder aufstehen. ‚Tue deinen Mund auf für den Stummen, für die Rechtssache aller Unglücklichen’ (Spr.31,8). Es muss ein Aufschrei durch die Gemeinden gehen, endlich wach zu werden und christliche Schulen zu gründen. Die Schulkinder sind aufs äußerste gefährdet. Wollen wir, dass sie von dem Löwenmaul des Tieres zerrissen werden? (Offb.13). Wollen wir, dass die christlichen Tugenden von unserer Jugend nicht mehr geachtet werden? Das wäre das Ende der Gemeinde Gottes.

Wir müssen den Vertretern des Staates und der Gesellschaft deutlich machen, dass nicht w i r uns verändert haben, sondern die Schule total anders, nämlich atheistisch, geworden ist und uns deshalb als Christen in schwere Gewissensnöte bringt. Früher hat die staatliche Schule die Erziehung des christlichen Hauses unterstützt. Es gab kaum Konflikte mit Lehrern und Lerninhalten. Sollte doch nach den Vätern der Verfassung Schule so gestaltet werden, dass niemand wegen seiner religiösen Überzeugung in Gewissenskonflikte komme. Vielleicht bringt die gegenwärtige Diskussion um Heimschule durch den US-Asylfall Romeike und verschiedene gute Fernsehbeiträge und Presseberichte wieder Bewegung in das Ganze.

Oder wie Friedrich der Große (genannt: Der Alte Fritz), König von Preußen, es sagte: „In meinem Staat kann jeder nach seiner Fasson selig werden“. Er sagte dies in Bezug auf die Schule. Auf die ewige Seligkeit stimmt dieser Spruch allerdings nicht. Die kann man nur durch den persönlichen Glauben an das Evangelium erlangen.

„In den 30 Jahren Philadelphia-Schule hat es manche Schwierigkeiten gegeben. Der altböse Feind hat es nicht an Angriffen auf das Schulwerk und einzelne Heimschulen fehlen lassen. Dennoch dürfen wir sagen, der HERR hat die Türe geöffnet und bis heute offengehalten. Dafür wollen wir Gott danken.“